Neues aus Lütjenburg und dem Umland

Wir sind alle Menschen

Menschen flüchten, weil sie ihr Zuhause verloren haben, ihre Heimat zerbricht, ihre Lebensgrundlagen zerstört sind. Viele von ihnen sind jung, es kommen Familien mit kleinen Kindern und auch Väter, deren Frauen und Kinder noch in großer Gefahr sind.

Sie alle mussten viel zurücklassen: Familie, Freunde, Gegenstände, an denen sie hingen, Plätze, an denen sie gerne waren, ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnung, ihr Haus, ihre Hobbys, ihren Lebenstraum.

Wer unter großen Gefahren geflüchtet ist, unter Angst, Heimweh und Traurigkeit leidet, braucht Aufnahme und Zugehörigkeit in einer neuen Gemeinschaft, möchte ankommen. Vielleicht für eine gewisse Zeit, vielleicht für immer.

Begegnen wir ihnen offen und neugierig! Zeigen wir einfach das, was jeder am Ende einer erzwungenen und beschwerlichen Reise braucht: Menschlichkeit.


Handeln wir wie Menschen. Sagen wir: „Willkommen!“


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Notarztstandort Lütjenburg

Die Entscheidung im Kreistag: fauler Kompromiss und taktisches Kalkül?


Es ist wieder Wahlkampf. Die Kommunalwahlen stehen vor der Tür. Dem Wahlkampf war auch die letzte Kreistagssitzung dieser Periode geschuldet. Dies war deutlich bei der Debatte um den Notarztstandort Lütjenburg zu spüren. Das Ergebnis nämlich war ein Kompromiss, der von fast allen getragen wurde und die Entscheidung über das  Streitobjekt „Notarztstandort“ in die Zukunft, d.h. in die Zeit nach der Wahl, verlegte.
So braucht man jetzt nicht unbedingt Farbe zu bekennen und kann innerparteiliche Differenzen überspielen bzw. nach außen nicht in Erscheinung treten lassen. 

Dass Lütjenburg als Notarztstandort wieder im Rennen ist, hängt damit zusammen, dass die Landeshauptstadt Kiel den Standort Schönkirchen in die Stadt verlegen will. Damit wäre auch die Probstei nicht hinreichend versorgt. Schnell hatte sich die Verwaltung auf den Standort Stakendorf festgelegt, weil die Kassen bei diesem Standort die finanzielle Absicherung  in Aussicht gestellt haben. Die Befürworter Lütjenburgs, zu denen einige Vertreter der CDU, der FWG, einer der Grünen und der Vertreter der Linken gehörte, sahen in der veränderten Situation die Chance, Lütjenburg wieder ins Spiel zu bringen. 

Nach einigen Gesprächsrunden sprach sich der Sozialausschuss einen Tag vor der Kreistagssitzung mit einer Mehrheit von 9:6 für den Notarztstandort Lütjenburg aus. Die Debatte im Kreistag zeigte dann aber schnell, dass viele Abgeordnete, nämlich die der SPD, der Grünen, der FDP, der UWG und einige der CDU, der Empfehlung des Sozialausschusses nicht folgen mochten. Nach einstündiger Debatte regte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Thomas Hansen, eine Sitzungsunterbrechung an, die genutzt werden sollte, um in einer interfraktionellen Absprache einen für alle tragbaren Kompromiss zu formulieren. Hansen begründete seinen Schritt damit, dass niemand damit gedient sei, wenn die Abstimmung 26 zu 24 ausgehe. 

Dem Kompromiss haben alle, bis auf einen Vertreter der Grünen und DIE LINKE, zugestimmt. 

Im Kompromissvorschlag spricht der Kreistag sich für keine der beiden heftig umstritten Standorte – Stakendorf oder Lütjenburg – aus, sondern für einen „Standort im nördlichen Kreisgebiet“. Darüber soll bis zum Herbst mit den Krankenkassen verhandelt werden. Der saisonale Betrieb in Lütjenburg soll bis dahin – zunächst – weiter betrieben werden. 

Mit ihrem Votum für den Kompromissvorschlag haben die Befürworter des Standortes Lütjenburg diesem Standort aus unserer Sicht keinen Gefallen getan. 

Denn die Entscheidung für Lütjenburg ist nicht einfach nur verschoben worden. Es ist vielmehr fraglich, ob  sich die Krankenkassen überhaupt zu einer Finanzierung bereit finden. Ein  Votum für Lütjenburg durch den Kreistag – auch bei knapper Mehrheit – wäre neben der Tatsache, dass 10.000 Unterschriften den Willen der Bevölkerung in und um Lütjenburg dokumentiert haben, ein starkes Signal.  

Auch ein knappes Votum gegen Lütjenburg wäre besser gewesen als dieser faule Kompromiss. 

Dann hätte man genau gewusst, woran man ist und hätte  neue Strategien im Kampf um den Notarztstandort Lütjenburg entwickeln können und müssen. So ist die Frage des Notarztstandortes in Lütjenburg einem politischen Kalkül geopfert worden. Für uns LINKE ist die Standortfrage kein Wahlkampfthema. Wir werden auch in Zukunft für den Notarztstandort in Lütjenburg kämpfen. 

Die wirtschaftlichen Überlegungen der Krankenkassen sind für uns kein Maßstab, wenn es um die Rettung von Menschenleben geht!

Sie sind aber auch deshalb kein Maßstab, weil man den Krankenkassen angesichts ihrer vollen Kassen und ihrer gewaltigen Überschüsse wenig glauben schenken kann. 
Es sei nochmals daran erinnert, dass das Notarztsystem in Lütjenburg bis 2008 gut funktionierte und viel Lob fand. Als die Krankenkassen aus wirtschaftlichen Gründen den Standort nicht mehr finanzieren wollten, hat man – auch und vor allem von Kreisseite – zu schnell nachgegeben und den Vergleich mit den Kassen gesucht. Sollte  der Notarztstand in Zukunft tatsächlich irgendwo „im nördlichen Kreisgebiet“, aber nicht in Lütjenburg liegen, wäre es auch mit dem zur Zeit noch existierenden Saisonbetrieb in Lütjenburg vorbei.